Kartenausschnitt_Domaine_Aux_Conseillans_1820

Vom Widerstand zur Wissenschaft.

Die Geschichte der Domaine aux Conseillans

Über vier Jahrhunderte: ein Ort der Haltung, eine Wiege der modernen Önologie — und, seit 2023, ein neuer Satz. (Kartenausschnitt der Domaine, 1820.)

Der Ursprung

Ein Name als Haltung.

Lange bevor hier ein Schloss stand, trug der Ort bereits eine Bedeutung. Der Name des Lieu-dit „aux Conseillans“ entstand vermutlich in den Wirren der Religionskriege — er meinte jene, die Partei ergriffen („conseillans et aydans“). Wer vom Gut sprach, meinte keinen Besitz, sondern einen Ort der Haltung.

1738
Daban-Broca
1938
Ribéreau-Gayon
2023
LaSuite aux Conseillans
Die Chronik

Vier Jahrhunderte, ein Faden.

Geschichte ist hier kein Schmuck, sondern das Fundament — vom Namen über das Labor im Weinberg bis heute.

  1. 1580–1610Ein Name als Haltung

    Lange bevor hier ein Schloss stand, trug der Ort Bedeutung. Der Name des Lieu-dit „aux Conseillans“ entstand vermutlich in den Religionskriegen — er meinte jene, die Partei ergriffen („conseillans et aydans“).

  2. 1738Daban-Broca erwirbt das Gut

    Jacques Daban-Broca, Generalstaatsanwalt von Bordeaux, erwirbt das Gut, das damals noch unter dem Flurnamen „Panissaut“ geführt wird.

  3. 1751Die Einigung des Terroirs

    Mit dem Rückkauf der Métairie „La Lande“ vereint Daban-Broca die Parzellen zu der geschlossenen Einheit aus Wald, Wiesen und Reben, die die Domaine bis heute umreißt.

  4. 1770Der kartografische Beweis

    Auf der berühmten Carte de Belleyme ist das Gut erstmals exakt verzeichnet — die physische Existenz der Domaine als landwirtschaftlicher Betrieb ist damit belegt.

  5. 1808Das Herrenhaus

    Das Château wird in seiner heutigen Form vollendet — die Fassade, wie man sie heute sieht. Errichtet auf einem älteren Haus, dessen Treppenhaus bis heute erhalten ist.

  6. 1813Die amtliche Taufe

    Im Napoleonischen Kataster (Sektion A1, Parzelle 116) wird das Anwesen amtlich eingetragen. Der Name „Panissaut“ verschwindet, „Domaine de Conseillans“ wird aktenkundig.

  7. 1896Die Prüfung

    Die Reblaus vernichtet fast den gesamten Bestand. Von 47 Hektar bleiben nur 2,5 Hektar Reben — die Domaine fällt in einen langen Schlaf.

  8. 1897Die Bewahrer

    Die Familie Guillot de Suduiraut übernimmt das geschwächte Gut und sichert seine Existenz über die Jahrhundertwende.

  9. 1938Das Labor im Weinberg

    Jean Ribéreau-Gayon kauft die Domaine und macht sie über Jahrzehnte zu seinem Versuchsgut: als einer der maßgeblichen Begründer der modernen Önologie entschlüsselt er hier die malolaktische Gärung.

  10. 1949Die Lehre

    Ribéreau-Gayon begründet das Institut d’Œnologie de Bordeaux. Das Wissen, das auf der Domaine gewonnen wurde, geht von hier aus um die Welt.

  11. 1976Der Schutz des Lebensraums

    Der Park der Domaine wird als „Site Classé“ unter Naturschutz gestellt — eine späte Bestätigung der Einheit von Natur und Kultur.

  12. 2002Die Tradition

    Nach über 60 Jahren der Familie Ribéreau-Gayon übernehmen Serge und Sylvia Ruiz das Gut und pflegen die alten Reben.

  13. 2011Das Fundament der Zukunft

    Bruce Jackson und Irina Krasovskaya erneuern die Kellertechnik umfassend und bereiten die Bühne für den nächsten Akt.

  14. 2023Ein neuer Satz: LaSuite

    Marc und Ellen Ruhland-Seidel übernehmen die Domaine. Unter dem Namen LaSuite wird jeder Wein zu einem Satz einer musikalischen Suite — die Herkunft „aux Conseillans“ bleibt auf dem Etikett verankert.

Wo die moderne Önologie reifte.
Das Erbe

Wo die moderne Önologie reifte.

Über Jahrzehnte war die Domaine das Weingut von Jean Ribéreau-Gayon — einem der maßgeblichen Begründer der modernen Önologie. Hier, in seinem „Labor im Weinberg“, wurde die malolaktische Gärung entschlüsselt; sein Erbe arbeitet bis heute in jeder Entscheidung mit. Das Gut ist so gut, weil es seins war.

Der Faden reißt nicht.

Vom Namen als Haltung bis zum Wein als Suite — wer den Ort liest, liest vier Jahrhunderte mit.

New Bordeaux

Und jetzt beginnt der nächste Satz.

LaSuite aux Conseillans