Ansicht des Weinguts oder seiner Umgebung

Ein Labor mit Weinbergen.

Jean Ribéreau-Gayon

Knapp ein Drittel der Reben, die wir heute lesen, hat er selbst gepflanzt.

Das Erbe der Önologen

Was ein Önologe mit einem Weingut macht.

Jean Ribéreau-Gayon war Chemiker und Professor; die Fachwelt nannte ihn den „Vater der modernen Önologie“. 1938 kaufte er die Domaine aux Conseillans und machte sie zu seinem Versuchsgut: im Gärkeller wurde Wein gemacht, im Gang dahinter lag das Labor. Hier arbeitete in jungen Jahren auch Émile Peynaud, der später zu einem der berühmtesten Önologen der Welt wurde. Bis 1996 blieb das Gut in der Familie, danach in anderen Händen; seit 2023 führen wir es als LaSuite aux Conseillans weiter. Die Reben, die er 1953 pflanzte, tragen bis heute — ihre Trauben fließen in die Weine von LaSuite aux Conseillans.

1938
Jean Ribéreau-Gayon kauft die Domaine
8.646
Rebstöcke von 1953, von ihm gepflanzt
1963
Gründung des Institut d’Œnologie

Lebensdaten und Werk sind in den Katalogen der Bibliothèque nationale de France und von IdRef verzeichnet; sein Wirken auf der Domaine ist durch zeitgenössische Presse (Sud-Ouest, La Journée Vinicole, Revue française d’Œnologie, 1991) und amtliche Dokumente belegt.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

Ulysse Gayon, Schüler von Louis Pasteur
Der Anfang der Linie

Ulysse Gayon

Die Linie beginnt im 19. Jahrhundert mit Ulysse Gayon, einem Schüler von Louis Pasteur. Er brachte die Laborwissenschaft in den Weinbau und war an der Entwicklung der Bouillie Bordelaise beteiligt, der Kupfer-Kalk-Brühe, die die Weinberge Europas vor dem Falschen Mehltau bewahrte. Gayon lebte nicht auf der Domaine, doch seine Überzeugung — dass Qualität aus mikrobiologischem Verständnis entsteht — wurde zum Fundament dessen, was sein Enkel hier weiterführte.

Jean Ribéreau-Gayon, Önologe und langjähriger Eigentümer der Domaine aux Conseillans – Schwarz-Weiß-Porträt
Gärkeller und Labor

Jean Ribéreau-Gayon

Er war ein Enkel Ulysse Gayons und einer der Väter der modernen Önologie. Unser heutiger Verkostungsraum war sein Gärkeller, im Gang dahinter lag das Labor; Presse, Betonbehälter und Utensilien aus dieser Zeit haben wir aufbewahrt.

Seinen Versuchskeller hier auf der Domaine nutzte er für die Arbeit an den Gärungen — darunter die malolaktische Gärung (biologischer Säureabbau, BSA), die er gemeinsam mit dem jungen Émile Peynaud beschrieb. Dabei wandelt sich die harte Apfelsäure in weichere Milchsäure um, die vielen großen Rotweinen ihren runden Schmelz gibt; heute ist das bei den meisten Rotweinen der Welt Standard. Wie sie wirkt, steht ausführlich im Kontext-Artikel Was die malolaktische Gärung bewirkt; die Kurzdefinition findet sich unter biologischer Säureabbau. Beruflich übernahm er 1949 die Leitung der Station agronomique et œnologique, gründete 1957 die École supérieure d’œnologie und formte daraus 1963 das Institut d’Œnologie der Universität Bordeaux.

Pascal Ribéreau-Gayon
Die nächste Generation

Pascal Ribéreau-Gayon

Sein Sohn Pascal Ribéreau-Gayon führte die Arbeit weiter und leitete fast zwei Jahrzehnte das Institut d’Œnologie in Bordeaux. Als einer der Autoren des Traité d’Œnologie, bis heute ein Standardwerk, prägte er das Verständnis von Phenolen und Tanninen — und davon, wann Tannine reif genug sind, um weich zu wirken statt hart. Zu seinen Schülern zählten Önologen wie Denis Dubourdieu und Michel Rolland.

Die Reben, die er gepflanzt hat.
Ein lebendes Archiv

Die Reben, die er gepflanzt hat.

1953 setzte Jean Ribéreau-Gayon 8.646 Stöcke: Merlot, Cabernet Franc und Côt, verteilt über sechs Parzellen auf 1,67 Hektar. Sie stehen alle noch und tragen bis heute.

Alte Reben bringen wenig Ertrag, und wir lesen sie parzellenrein, weil wir sehen wollen, was jede einzelne für sich ergibt. Was diese Familie erforscht hat, steckt bis heute in unseren Entscheidungen im Keller.

Gut zu wissen

Häufig gefragt.

Ist die Domaine aux Conseillans dasselbe Weingut, auf dem Jean Ribéreau-Gayon geforscht hat?

Ja. Er kaufte das Gut 1938 und prägte es als Eigentümer; bis 1996 blieb es in der Familie. Der heutige Verkostungsraum war sein Gärkeller, das Labor lag im Gang dahinter. Seit 2023 führen wir die Domaine als LaSuite aux Conseillans weiter.

Was hat Jean Ribéreau-Gayon herausgefunden?

Gemeinsam mit Émile Peynaud beschrieb er die malolaktische Gärung — die Umwandlung von Apfelsäure in Milchsäure, die Rotweine weicher macht. Heute ist sie bei den meisten Rotweinen der Welt Standard. Beruflich übernahm er 1949 die Leitung der Station agronomique et œnologique, gründete 1957 die École supérieure d’œnologie und formte daraus 1963 das Institut d’Œnologie der Universität Bordeaux, das die Erkenntnisse in die Praxis trug.

Was ist von Jean Ribéreau-Gayons Zeit auf der Domaine heute noch da?

Die alte Presse, Betonbehälter und Laborutensilien haben wir aufbewahrt — samt dem Versuchskeller, in dem einst auch Émile Peynaud arbeitete. Und 8.646 Rebstöcke, die er 1953 gesetzt hat: sechs Parzellen mit Merlot, Cabernet Franc und Côt. Sie werden getrennt gelesen und getrennt vergoren, wie alle Parzellen der Domaine aux Conseillans, damit wir sehen, was jede für sich ergibt.

Steht das Gut unter Schutz?

Ja. 1975 wurde die Domaine aux Conseillans als „Site classé“ unter staatlichen Schutz gestellt — auf Betreiben von Jean Ribéreau-Gayon selbst. Geschützt sind die Chartreuse aus dem späten 18. Jahrhundert und der Park mit seinem alten, teils seltenen Baumbestand, darunter große Zedern.

Wer hat die malolaktische Gärung entdeckt?

Das Phänomen wurde schon im 19. Jahrhundert beobachtet. Ihre önologische Bedeutung und ihre gezielte Steuerung erarbeiteten in Bordeaux Jean Ribéreau-Gayon und sein Schüler Émile Peynaud — teils hier auf der Domaine aux Conseillans. Wie sie wirkt, erklärt der Kontext-Artikel.

Vertiefen

Weiterlesen.

Wo diese Wissenschaft heute in unseren Entscheidungen steckt — und wo sie auf der Domaine sichtbar geblieben ist.

Aus diesem Erbe entsteht, was heute im Glas steht.

LaSuite aux Conseillans