
Lehm
Unser Fundament. Kühle, wasserhaltende Böden geben den Reben Halt und Ruhe — die Grundlage für Weine mit Rückgrat, feiner Spannung und langem Nachhall. Hier reift langsam, was lange tragen soll.
Fünf Hektar bei Saint-Caprais, unweit von Bordeaux — und unter den Reben zwei Erdzeitalter, fast dreißig Millionen Jahre auseinander.
Die große Tradition des Bordeaux ist die Assemblage — die Kunst, viele Lagen zu einem stimmigen Ganzen zu fügen. Auf dem historischen Boden von Jean Ribéreau-Gayon, einem der Mitbegründer der modernen Önologie und über Jahrzehnte Eigentümer dieser Domaine, gehen wir einen ergänzenden Weg.
Inspiriert von den Climats des Burgunds hören wir zuerst jeder Parzelle einzeln zu, bevor wir entscheiden, welche Stimmen am Ende zusammenfinden. Ein paar Schritte vom kühlen Lehm zum warmen Kies genügen, und vieles verändert sich zugleich: der Rhythmus der Reife, die Melodie der Aromen, die Struktur der Tannine. Welche Parzellen in welche Cuvée der Suite einfließen, entscheidet darum am Ende immer der Jahrgang — eine Frage der Parzellierung, die wir Jahr für Jahr neu beantworten.

Dass nicht jede Ecke dieses Guts gleich ist, weiß man hier seit Generationen — welche Reihe früher reift, welche Lage in trockenen Jahren trägt. Neu ist vor allem die Präzision dieses Wissens: 2024 hat Horizons Viticoles unsere Böden erstmals Parzelle für Parzelle vermessen und benannt.
Was dabei schwarz auf weiß wurde, bestätigt, was die Reben hier seit Generationen zeigen — und macht es zum ersten Mal messbar. Der größere Teil der Reben — das Plateau du Limancet — steht auf einer alten Terrasse der Paléo-Garonne: Sande, Schluffe und Kieslagen aus dem Eiszeitalter. Eine einzelne Parzelle aber wurzelt auf der Molasse de l'Agenais, einem Boden aus dem Oligozän, rund dreißig Millionen Jahre alt. Eine weitere trägt gleich zwei verschiedene Böden auf wenigen Metern.
Zwei Kapitel der Erdgeschichte, wenige Hundert Meter voneinander entfernt — und beide schmeckbar im Glas. Für den Genuss übersetzen wir diese Geologie in eine ruhigere Sprache: vier Terroirs.
Fünf Hektar, aufgeteilt in sechzehn Parzellen auf vier Böden. Tippen Sie eine Parzelle an — oder wählen Sie ein Terroir, um zu sehen, welche Flächen dazugehören.
Aquarellkarte der Domaine — die Lage der Parzellen ist maßstäblich angelegt, aber keine flurstücksgenaue Vermessung.

Unser Fundament. Kühle, wasserhaltende Böden geben den Reben Halt und Ruhe — die Grundlage für Weine mit Rückgrat, feiner Spannung und langem Nachhall. Hier reift langsam, was lange tragen soll.

Dort, wo der Fluss über Jahrtausende reine Kieselbänke angeschwemmt hat, ändert sich der Takt. Die Steine speichern Wärme, die Drainage nimmt dem Wein die Schwere — die Reife schreitet zügig voran, und der Ausdruck wird straff, klar und rhythmisch. Ein Kies-Wein zeigt seinen Charakter früh und klar.

Wo sich Lehm und Kies begegnen, entsteht Polyphonie. Die Kühle des einen trifft auf die Wärme des anderen, struktureller Halt auf thermische Reife. Es sind die Parzellen, die selbst in heißen Jahren ihre Balance halten — unsere ruhige Versicherung gegen ein sich wandelndes Klima.

Hier verlassen wir die Garonne-Terrasse und stehen auf einem weit älteren Hang. Der sandige Boden erwärmt sich schnell und ist durchlässig bis in die Tiefe — eine seltene, eigenwillige Lage, die uns einen ganz eigenen Ton erlaubt: weniger Frucht, mehr Mineralität, ein leiser Hauch Salz im Abgang.
Caprice, unser Solitär aus Alvarinho — burgundische Anmutung auf Bordeaux-Boden.
Was den Charakter unserer Böden ausmacht, lässt sich messen. Drei Kennzahlen, die zeigen, warum sich die Weine so klar voneinander unterscheiden.
Warum schmeckt der Wein vom Kies anders als der vom Lehm? Die Antwort liegt in der Dichte des Bodens. Auf unseren Graves stehen in der Tiefe bis zu vier von fünf Teilen reiner Kies — ein Boden, der die Rebe fordert und die Frucht konzentriert.
Die wichtigste Kennzahl im Klimawandel: Wie viel Wasser hält der Boden, wenn der Sommer heiß wird? Unsere kiesigen Lagen reifen unter Stress, die lehmigen halten die Reserve. Die Lehm-Kies-Parzellen führen beide Welten zusammen.
Ein toter Boden trägt keinen großen Wein. Wir wirtschaften biozertifiziert und nach HVE4 und beobachten Humus und chemisches Gleichgewicht über Jahre — Voraussetzung dafür, dass jede Parzelle ihren Charakter verlässlich behält.
Geopedologische Kartierung 2024 durch Horizons Viticoles: Bodensonar (Resistivität von rund 34 bis ~4.380 Ω·m), Drohnenbilder, Profilgruben und Laboranalysen, Parzelle für Parzelle. Rund fünf Prozent der Fläche zeigen die hohen Resistivitätswerte, wie sie für echte Graves-Lagen typisch sind — ein Maß dafür, wie selten diese Kies-Parzellen sind. Die vollständigen Karten, Profilbeschreibungen und Tabellen stellen wir Interessierten auf Anfrage bereit.
Vier Terroirs ist unsere genussfreundliche Sprache für die Bodenkartierung von 2024: Lehm, Kies, Lehm-Kies und Sand. Jeder Boden gibt der Rebe einen anderen Takt aus Reife, Aroma und Tanninstruktur. Im Glas zeigt sich das als unterschiedlicher Charakter der Cuvées — mehr Spannung vom Lehm, mehr Energie vom Kies.
Der größte Teil der Reben steht auf einer eiszeitlichen Terrasse der Paléo-Garonne. Eine einzelne Parzelle wurzelt auf der Molasse de l'Agenais, einem Boden aus dem Oligozän, rund dreißig Millionen Jahre alt. Zwei Kapitel der Erdgeschichte, wenige Hundert Meter voneinander entfernt — das ist auf so kleiner Fläche selten.
Die Assemblage fügt Lagen zu einem stimmigen Ganzen. Wir hören — inspiriert von den Climats des Burgunds — zuerst jeder Parzelle einzeln zu und entscheiden erst dann, welche Stimmen zusammenfinden. Welche Parzelle in welche Cuvée fließt, bestimmt deshalb immer der Jahrgang — das macht jeden Jahrgang zu einer echten Entscheidung.
Kühle, lehmige Böden geben Weinen Rückgrat und langen Atem — sie reifen langsamer und tragen länger. Kiesige Lagen ergeben straffere, früher zugängliche Weine. Der Boden prägt also mit, wann eine Flasche ihren schönsten Moment erreicht — und warum sich Trinkfenster von Cuvée zu Cuvée verschieben.
Was sich Jahr für Jahr ändert, ist der Jahrgang. Was bleibt, ist dieser Boden — und unsere Aufgabe, ihm genau zuzuhören. Wer eine Flasche der Suite öffnet, schmeckt darum den ruhigen, wiedererkennbaren Charakter dieses Ortes.
Fünf Hektar ergeben nur kleine Mengen — wir geben jede Cuvée frei, sobald sie trinkreif ist, solange der Jahrgang reicht.
Vier Böden. Neun Cuvées. Ein Ort.
Die Weine der Suite entdeckenZuletzt aktualisiert: 7. Juni 2026