IDENTITÄT & PRINZIP

Wein als Wertanlage — nüchtern betrachtet

Früher oder später fragt sich jeder, der ein paar gute Flaschen im Keller liegen hat, ob Wein eine Geldanlage sein könnte. Die Frage ist berechtigt, denn es gibt tatsächlich einen Markt, auf dem einzelne Weine über Jahre im Wert steigen. Nur gilt das für einen sehr kleinen Ausschnitt — und wer Wein vor allem als Anlage betrachtet, verliert leicht aus dem Blick, wofür er eigentlich gemacht ist.

Es gibt einen Markt — aber nur für sehr wenige Weine

Der Handel mit Wein nach dem Erstverkauf, der Sekundärmarkt, ist real und eingespielt. Auf ihm wechseln Flaschen zwischen Käufern, und der Preis bildet sich aus Nachfrage, nicht aus der Liste des Erzeugers. Doch dieser Markt trägt nur eine Handvoll Namen: Weine mit langer Geschichte, weltweiter Bekanntheit, sehr begrenzter Menge und einer Nachfrage, die über Jahrzehnte verlässlich war. Für die überwältigende Mehrheit aller Weine existiert kein solcher Markt — sie werden getrunken, nicht gehandelt, und ihr Wert liegt im Glas, nicht im Wiederverkauf.

Was der Anlagegedanke gern übersieht

Wer Wein als Anlage denkt, rechnet oft nur mit dem Preis und vergisst, was daran hängt. Eine Flasche muss über Jahre einwandfrei gelagert werden, und ihre lückenlose Herkunft entscheidet mit über ihren Wert; jeder Zweifel an der Lagerung mindert ihn. Zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis liegt eine Spanne, die erst einmal verdient sein will. Und es gibt einen Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt: Solange man eine Flasche als Wertspeicher hält, kann man sie nicht trinken — im Moment des Genusses ist der Anlagewert verbraucht. Wein, der zum Halten gekauft wird, bleibt ein stiller Kompromiss zwischen zwei Dingen, die er nicht gleichzeitig sein kann.

Warum das eine Frage der Haltung ist

Ob sich ein Wein zur Anlage eignet, ist deshalb weniger eine Rechenaufgabe als eine Frage, wofür man ihn überhaupt kauft. Wer eine kleine Sammlung aufbaut, tut das am ehrlichsten, um über die Jahre schöne Flaschen zur Hand zu haben, nicht um sie später teurer zu verkaufen. Und der Preis eines Weins erzählt ohnehin von seiner Entstehung — von Ertrag, Handarbeit und Zeit —, nicht von einer künftigen Rendite. Der Handel mit jungen Weinen ab Fass ist ein eigenes Feld für Spezialisten; für die meisten Menschen bleibt Wein etwas, das man aufmacht.

Wie wir es sehen

Wir bauen unsere Weine nicht für den Handel. Bei LaSuite aux Conseillans entscheidet nicht die Frage, ob eine Flasche später im Wert steigt, sondern ob sie jetzt trinkreif ist — wir geben sie erst dann frei. Die Rendite, die uns interessiert, ist die im Glas: ein Wein, der den Abend trägt, für den er geöffnet wurde. Dass einzelne unserer Flaschen mit den Jahren seltener und gesuchter werden, ist eine Folge davon, kein Zweck. Wein ist für uns kein Wertpapier mit Korken, sondern etwas, das seinen Wert erst preisgibt, wenn man es teilt.

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