Bordeaux vs Burgund
Bordeaux und Burgund unterscheiden sich vor allem in zwei Dingen. Bordeaux ist die Heimat des Verschnitts — mehrere Rebsorten ergeben gemeinsam eine Cuvée —, während Burgund auf eine einzige Sorte setzt: Pinot Noir beim Rotwein, Chardonnay beim Weißwein. Und beide ordnen Qualität verschieden: In Bordeaux steht das Gut im Mittelpunkt, in Burgund die einzelne Lage. Wer das versteht, liest beide Regionen genauer und hört auf, sie gegeneinander auszuspielen.
Verschnitt gegen Einzelsorte
Der sichtbarste Unterschied liegt in der Komposition. Ein klassischer roter Bordeaux ist eine Assemblage, meist aus Cabernet Sauvignon und Merlot, ergänzt durch Cabernet Franc, Petit Verdot oder Malbec. Das Zusammenfügen mehrerer Sorten ist Teil der Handwerkskunst, weil jede etwas einbringt, das der anderen fehlt. Burgund geht den umgekehrten Weg: Dort steht eine Sorte allein und soll möglichst unverstellt zeigen, woher sie kommt. Die eine Region denkt in mehreren Stimmen, die zusammen klingen, die andere in einer einzelnen, möglichst klaren Stimme.
Der Grund für den Verschnitt liegt auch im Klima. Im atlantisch geprägten Bordeaux reifen die Sorten unterschiedlich schnell und reagieren verschieden auf einen kühlen oder nassen Jahrgang; mehrere Sorten anzubauen und später zu mischen, verteilt dieses Risiko und gleicht Schwächen eines einzelnen Jahres aus. In Burgund, wo eine Sorte allein steht, tragen stattdessen die Wahl der Lage und die Arbeit im Weinberg diese Last. Auch bei den Weißweinen zeigt sich das Muster: Im Bordeaux verschneidet man häufig Sauvignon Blanc und Sémillon, in Burgund steht der Chardonnay für sich.
Das Gut oder die Lage
Auch die Art, Qualität zu ordnen, ist verschieden. Die berühmte Bordeaux-Klassifikation von 1855 bewertet Güter — sie reiht Châteaus vom Premier Cru abwärts, ursprünglich nach ihren Marktpreisen. Burgund klassifiziert dagegen den Boden selbst: Jede Parzelle, jeder Climat wird nach seinem Potenzial eingestuft, von der Regionalstufe über Village und Premier Cru bis zum Grand Cru. In Bordeaux trägt also der Name des Hauses das Versprechen, in Burgund der Name der Lage. Innerhalb Bordeaux' verläuft zusätzlich noch eine zweite Trennlinie, die zwischen linkem und rechtem Ufer.
Größe, Klima, Zeit
Dahinter stehen unterschiedliche Maßstäbe. Bordeaux arbeitet eher in größeren Gütern mit nennenswerten Mengen, Burgund ist ein Flickenteppich kleiner Familienbetriebe, die oft nur wenige Fässer einer Lage füllen. Das maritime, vom Atlantik geprägte Klima Bordeaux' gibt den Weinen Kraft und Gerbstoff und damit Zeit; das kühlere, kontinentale Burgund bringt mehr Säure, Frische und jene oft beschriebene Mineralität. Deshalb gilt Burgund vielen als früh zugänglich und Bordeaux als geduldig — Zuschreibungen, die mehr über Lesegewohnheiten verraten als über die Qualität.
Wie wir zwischen beiden stehen
Wir sind ein Bordeaux-Gut, arbeiten aber mit einer Idee, die aus Burgund kommt. Jede unserer sechzehn Parzellen auf fünf Hektar wird parzellenrein vinifiziert — also für sich, bevor wir entscheiden, was am Ende zusammengehört. Diese Aufmerksamkeit für den einzelnen Ort haben die Climats Burgunds geprägt; die Kunst der Assemblage bleibt bordelaiser. Beide Denkweisen widersprechen sich für uns nicht, sie ergänzen sich. Und über allem steht, dass wir einen Wein erst dann freigeben, wenn er trinkreif ist — unabhängig davon, welcher Schule er näher steht.